Ein Koffer voll Geschichte. Mitnehmen – Zurücklassen – Erinnern

Am 16.09.2026 fand in Sprendlingen die dritte Verlegung von Stolpersteinen statt. Hieran beteiligten sich Schülerinnen und Schüler der Klasse R10c, betreut von Veysel Murat, und des Grundkurses Geschichte der Q3 von Miriam Reinelt. Im Geschichtsunterricht setzten sie sich mit Flucht, Exil, Heimat und Erinnerung auseinander. Aus historischen Recherchen und persönlichen Überlegungen entwickelten sie den szenischen Beitrag „Ein Koffer voll Geschichte. Mitnehmen – Zurücklassen – Erinnern“, den sie bei der öffentlichen Stolpersteinverlegung präsentierten.
Die Familie Marx: Ein Leben in Sprendlingen
Ausgangspunkt des Projekts war die Geschichte der Familie Marx, die in der Hauptstraße 4–6 lebte und seit mehreren Generationen in Sprendlingen verwurzelt war. Die Familie betrieb dort eine Metzgerei. Unter dem Druck nationalsozialistischer Verfolgung emigrierten Berthold, Sophie und ihr siebenjähriger Sohn Manfred 1937 in die USA.
Ein Koffer als Symbol für Flucht, Exil und Erinnerung
Die Schülerinnen und Schüler schilderten das Leben der Familie in Sprendlingen, die Hintergründe ihrer Flucht und den Neuanfang in New York. Zentrales Symbol war ein alter Koffer. Anhand eines Fotos, eines Schlüssels und von Dokumenten machten sie sichtbar, was Menschen auf der Flucht mitnehmen können und was notgedrungen zurückbleibt: nicht nur persönliche Gegenstände, sondern auch vertraute Orte, Beziehungen und ein bisheriges Leben.
Geschichte verstehen – Erinnerung gestalten
Die Jugendlichen verbanden die Auswertung historischer Quellen mit eigenen Perspektiven. Sie fragten, was „Heimat“ bedeutet und welche Erfahrungen mit einem Neuanfang im Exil verbunden sein können. Zum Abschluss beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der Bedeutung des Gedenkens: Was bleibt von einer Geschichte, wenn Jahrzehnte vergangen sind? So wurde der Koffer auch zum Sinnbild dafür, wie wir heute an vergangenes Unrecht erinnern.
Mit ihrem Beitrag machten die Jugendlichen die Geschichte der Familie Marx am historischen Ort sichtbar: aus dem Unterrichtsprojekt wurde eine öffentliche Form des Erinnerns. Ihre Präsentation schlossen sie mit einem Gedanken, der den Kern ihres Projekts zusammenfasst: „Wir können der Familie ihre Heimat nicht zurückgeben. Wir können ihre Geschichte aber bewahren.“

