Zeitzeugenvortrag 30 Jahre Wiedervereinigung – was geht mich das an?

Da war mal ne Mauer, dann nicht mehr – was geht mich das an?“ – Ein Satz, der vielen Jugendlichen aus dem Herzen spricht und so auf unserem Schulhof gefallen ist. Vergangenes ist vorbei?

Vergangenes kann weiterleben, nachwirken, sich auswirken! Wie viel die Deutsche Teilung auch heute noch mit den Lebenswelten Jugendlicher zu tun hat, hat der Zeitzeuge Thomas Raufeisen diese Woche den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 13 vor Augen geführt. In Hannover aufgewachsen, eröffnet ihm sein Vater bei einer Reise in die DDR, dass er für das Ministerium für Staatssicherheit arbeitet und es in der BRD nun zu gefährlich werden würde für sie. Die Familie muss in der DDR bleiben.

Ein großer Bruch im Leben des damals 16-Jährigen. Was ist mit Freunden? Welche Werte gelten nun? Kann man die Vergangenheit abstreifen wie eine Jacke? Er konnte es nicht – und rebellierte. Am 12. September 1981 wurde Thomas Raufeisen verhaftet, nach einem Fluchtversuch und der Kontaktaufnahme zu seinem eigenen Bruder und der Botschaft der BRD. Zunächst in Hohenschönhausen inhaftiert, wurde er am 22.Oktober 1982 schließlich verurteilt und 6 Wochen später nach Bautzen II verlegt. Als er im Herbst 1984 schließlich frei kam, kehrte Thomas Raufeisen schließlich nach Hannover zurück. Mittlerweile lebt er in Berlin und arbeitet sogar in der Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Seither kämpft er dort und auf seinen Zeitzeugen-Reisen deutschlandweit gegen Politikverdrossenheit. Er will Menschen ermutigen, auch etwas für ihren Staat zu tun statt ihn als Dienstleister zu sehen. Einfache Antworten sind für ihn keine Lösung. Die Welt ist komplex. Raufeisen will Schülerinnen und Schüler ermutigen, hinter die vermeintlichen Wahrheiten zu blicken, immer zu hinterfragen und die eigene Denkblase zu durchstechen.

Gesprächsfetzen fliegen nach der Veranstaltung über den Schulhof, einige Gruppen sprechen noch über das, was sie eben gehört haben. Einige zeigen sich sehr beeindruckt, andere fanden es etwas einseitig. Letztlich war es aber ein Vortrag, der in Erinnerung bleibt.

Danke an die Fachschaft Geschichte unter der Leitung von Eva Abendroth, die diese Begegnung ermöglicht hat. Weitere Informationen zum Zeitzeugenprojekt hier.

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